Lyrik

An Laura

Wie lang, o Thörin, ahmst du schwach
die Lust geheimer Liebe nach?
Ach, willst du stets die Glut von Küssen,
wo Zung‘ auf Zunge heimlich trifft,
den Balsamthau der Liebe missen? –
stets fliehest du vor meinen Küssen,
als flöss‘ von meinem Munde Gift.

Gib einmal nach, laß nur einmal,
beim Götterrausch erhitzter Sinnen,
des Jünglings Kraft in deine Muschel rinnen,
die allzu oft ein süßer Traum ihm stahl.
Nur einmal schmecke diese Freuden,
sie sind so zauberisch und süß,
sind deiner werth, du wirst gewiß
das lose Spiel der Finger meiden.

Ich komme, wenn die Nacht erscheint,
und will dich dann in schmachtendem Verlangen
zum süßen Minnespiel umfangen,
das uns im Rausch zu eins vereint.
Ich komm‘, dein Mieder aufzuschnüren,
lös‘ deine goldnen Locken los,
bis meine Hände sich im Schooß
bei schönern Locken sich verlieren.
Ich wühle dann in deines Busens Schnee,
bis daß wir unter Flammenküssen
in trunkner Zärtlichkeit zerfließen
und ich zum Ziel erhörter Liebe geh‘.

O welche Lust! Die kühne Hand
löst erst der Kniee buntes Band
und drückt die vollen Marmorwaden,
die ihres seidnen Strumpfs entladen,
wie Schnee so weiß, wie Stahl so fest,
nach größrer Lust uns schmachten läßt.
Nun schlüpf‘ ich mit beherzten Händen
empor zu deinen weichen Lenden,
das Röckchen fällt, das sie verhüllt,
ich kann in deinen Locken wühlen,
und zärtlich mit dem Kränzchen spielen,
das sanfter als ein Pfirsich schwillt.

Jetzt steht, des Kleiderschmucks entladen,
Laurettchen hold vor meinen Augen da. –
O lächle nur, daß ich so schön dich sah.
Die Wollust glüht in deinen Mienen,
du kämpfst mit mir den wonnevollsten Streit,
erhitzest meine Zärtlichkeit,
und lässest mich den Minnesold verdienen.
Ein weiches Bett nimmt uns gefällig ein,
ich sänge gern, wie wir uns dort erfreun,
jedoch dein Bettchen hat Gardinen.

Ung[enannt].